Ein göttliches Zeichen aus dem geliebten Internet?

Veröffentlicht am 19. März 2014 von Paule

Zugegeben, während der letzten Tage und Monate war ich wieder nicht sonderlich produktiv. Zugegeben, mein ganzes Studium und die komplette Schulzeit lang, hätte ich einiges mehr an Selbstmanagement gebrauchen/entwickeln können/müssen. Und zugegeben, statt selber aktiv zu werden, finde ich immer nur effektiv Wege, um aus brenzlichen Situationen heraus zu kommen. Meistens durch Hilfe Fremder und Bekannter, die einfach nicht „Nein!“ sagen können. Auf der einen Seite ist das sicherlich gut, auf der anderen Seite verschlimmert es das ‚Problem‘ natürlich nur. Und wer auch immer das hier liest bzw. bereits Helfer in der Not sein durfte: Bloß nicht mit der Hilfe aufhören, sonst werde ich Wirt.

Nichtsdestotrotz hatte ich mir eigentlich vorgenommen, heute ordentlich was für das Essay am Freitag zu schaffen. Es ist drei Uhr nachts und ich kann voller Stolz sagen, dass Word immerhin geöffnet und die vorgegebene Gliederung eingefügt ist. Eigene Worte: Fehlanzeige.

Jetzt wollte ich gerade wieder etwas herunterladen, das ich am Ende wahrscheinlich eh nicht nutzen werde. Manchmal muss man, bevor man Dateien herunterladen kann, einen Code eingeben. So weiß das System, dass tatsächlich ein Mensch und keine Maschine hinter dem Monitor sitzt. Selten machen diese Codes Sinn, aber ich glaube in diesem Fall ist es echt ein Zeichen:

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Derzeit, wo es so langsam wieder anfängt sich um die berufliche und private Zukunft zu drehen, wird Eigeninitiative wieder zum Schlüsselwort. Genau das, was mir fehlt. Durch ein tolles Tandem von Sekretärinnen, einem Trainer, der sich immer um alles gekümmert hat, Angestellte der Unis, Kollegen, Freunde und Familie (die bisher alle mehr als ein Mal auch beide Augen zudrücken mussten), konnte ich überhaupt nur so alt werden. Rückblickend, habe ich organisatorisch selber nie etwas auf die Reihe gebracht. Meine Arbeitsweise ist eine Qual für mein gesamtes Umfeld, das immer alles ausbaden muss. Teils durch einen finanziell stabilen Rahmen, der auch nur begrentzt von mir stammt, ist das nur so lange gut gegangen. Mir wurde mehrfach schon bescheinigt, dass ich mir durch fehlendes Interesse noch nie den Arsch für mich selber aufgerissen habe und dadurch das Talent verschwende, das mich rudimentär funktionstüchtig hält. Um Freunde kümmern fällt mir genauso schwer und nur die, die wirklich viel Geduld und Verständnis haben, machen das noch weiter mit – nur leider fehlt da das nötige Talent, es in der Balance zu halten.

Auch wenn es stark danach klingt, soll das alles weiß Gott kein Bekunden von Selbstmitleid sein. Vielmehr ein Ausspruch des Offensichtlichen, ein fettes Dankeschön an alle Beteiligten und eine Kampfansage an das Gewohnte. Dadurch, dass ich bisher immer mit einem blauen und grünen Auge, oder manchmal auch als Zyklop davongekommen bin, gab es eigentlich keinen Grund zur Veränderung. ‚Gute‘ Endresultate in den Noten oder Platzierungen haben nie dazu gezwungen. Allerdings stecke ich da wie gesagt nicht alleine drin und deshalb muss ich einiges überdenken und verändern. Die Prokrastination, verwerfliche Moral und aufgeblähtes Selbstbewusstsein werden dabei die geringsten Probleme sein. Vielmehr macht mir das mangelnde Interesse Angst, das eben nicht durch ändern von Ansichts- oder Verhaltensweisen entstehen kann. Alle (professionellen) Gesprächspartner, konnten mit Fragen wie „Was macht dir denn Spaß„, „Wofür interessierst du dich“ oder „Was bewegt dich“ da bisher auch nicht weiterhelfen. Vielleicht gibt die Literatur da etwas her, das dauerhaft Veränderung hervorrufen könnte… Ich würde mich so gerne zum Positiven entwickeln, aber das scheint ein echt schwieriges Unterfangen zu sein. Für Tipps bin ich auf jeden Fall von allen Seiten dankbar!

Ich habe letztens von einer Doktorandin gelesen, die innerhalb kürzester Zeit ihre Arbeit fertig geschrieben hat. Ähnliche Motivationsschwierigkeiten haben sie dazu gebracht, alles was sie tat, öffentlich zu machen. Ihren Zeitplan für die Arbeit, Ziele und so weiter und so fort. Durch die Erwartungen ihrer Verwandtschaft und Freunde, hat sie so viel Druck bekommen, dass sie keine Ausreden mehr geben konnte und sich entsprechend an den aufgestellten Zeitplan halten musste. Vielleicht kann man das hier als einen vergleichbaren Ansatz sehen… Generell hat sich der Blog seit Februar als ein dankbares Medium herausgestellt, sodass ich mich zumindest seit sechs Wochen täglich ‚gemeldet‘ habe – wenn man das  überhaupt so nennen darf. Ich freue mich auf jeden Fall jedes Mal, wenn ich von jemandem per Mail, Skype oder SMS etwas höre. Manchmal selbst von Betti :p

Quintessenz: Arschtreten erlaubt und herzlichst willkommen. Tipps erwünschst. Kritik gefragt. Wahrscheinlich werde ich mich morgen über den Eintrag ärgern, aber nun ist es raus…

p.s.: Beim Schreiben ist mir eingefallen, dass ein Professor gerade heute früh davon erzählt hat, wie sich seine Arbeitsweise und die seines Kollegen unterscheiden. Sven und ich haben uns dabei nur angeschaut, da es genau unsere Situation widergespiegelt hat… Das kann schon nicht mehr Zufall sein!

Kategorie: Nottingham

4 Kommentare zu “Ein göttliches Zeichen aus dem geliebten Internet?”

  1. Maggi sagt:

    Lieber Paul,
    ich bin so froh, dass Du anfängst, Dir Deine eigenen Gedanken zu machen und Dir Erkenntnisse selbst erarbeitest. (Was ist passiert? Zwischen diesem und den Briefen vor Wochen liegen Welten!)
    Es ist erfreulich, zwischen den Zeilen zu lesen, wie Du um Freisein und Unabhängigkeit kämpfst. Mach weiter so – und setz Dir Ziele, die erreichbar sind.
    Herzliche Grüsse
    Maggi

  2. Bettina Dittmer sagt:

    Mir geht’s wie meiner Freundin: Woher kommen die gut gewählten Worte auf ein Mal??? Ich dachte schon, dass ist irgendein Text, den du von irgendwo runtergeladen hast……
    Dein Essay muss ein grausiges Thema haben, dass es deine Gedanken in obige Richtungen lenkt! Mein armes Paulchen…..
    Tschaka, das schaffst du schon!!!
    Muddi

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