Nott’m #9 – Klausuren, Mitbewohner und Co.

Veröffentlicht am 21. Februar 2014 von Paule

So, wie anfangs der Woche schon angekündigt, ist es mal wieder Zeit sich neben den täglichen Bildern zu melden. Es ist schon wieder etwas über einen Monat, den ich in Nottingham sitze. Natürlich ist viel passiert und natürlich habe ich schon wieder den Großteil vergessen. Mal gucken, ob einige Sachen wieder zusammenkommen…

Wie bei meinem letzten Update geschrieben, war ich mir nicht ganz sicher, wie die Klausuren Employee Relations und Stress and Health in Organisations ausgefallen sind. Mit 66 bzw. 74 Punkten sind diese besser ausgefallen, als erwartet. Übersetzen tut sich das in eine 2,0 bzw. einer guten 1,3. Der Schnitt liegt derzeit bei 69 Punkten, also zwischen der Grenze 1,7 und 1,3, was aber schon als „mit Auszeichnung“ geführt wird und zu den besten 10% gehört (glaube ich). Auch wenn ich keine Ahnung habe wie das gehen soll, ist also akademisch bisher alles am Laufen. (mehr)

Nichtsdestotrotz kommt die Masterarbeit Schritt für Schritt näher. Am 12. März geben wir den Forschungs- und Ethikantrag ab, um dann am 11. April mit der Erhebung anfangen zu können. Bis letzten Mittwoch sollten wir idealer Weise unsere Literaturrecherche mit möglichen Hypothesen abgeben. So ganz habe ich das nicht geschafft, aber der Betreuer sieht das da nicht ganz so eng. Also werde ich die Recherche hoffentlich bis nächste Woche in eine Einleitung verpackt und passende Hypothesen formuliert haben, um dann die Woche darauf die Methode der Datenerhebung zu beschreiben. Ich habe mit dem Inkubator in Lüneburg jetzt guten Kontakt und werde mich in eine bereits laufende Studie einklinken. Derzeit sieht es so aus, als ob ich die Auswirkung von Stressoren auf Irritation untersuche und wie/ob das von emotionaler Regulation moderiert bzw. mediiert (?) wird. Im Klartext bedeutet das, dass Dinge wie Arbeitsumfang, Jobunsicherheit oder Rollenunklarheit (Stressoren) dazu führen, dass man nach der Arbeit nicht abschalten kann und grübelt (kognitiv) oder gereizt reagiert (Irritation, Stress). Jetzt gibt es ein Modell der Emotionsregulation, das zwei Bewältigungsstrategien vorschlägt: Neubewertung oder Unterdrückung. Es gibt zig Studien dazu die beschreiben, dass die Neubewertung bei Emotionen positive steigern und negative verringern, wohingegen Unterdrückung positive Emotionen senkt und negative Emotionen zusätzlich noch verstärkt. In der Kette Stressor -> Stress behaupte ich jetzt mal, beeinflusst die Emotionsregulation (Neubewertung/Unterdrückung) die Irritation. Wie genau weiß ich noch nicht, aber das wird sich dann hoffentlich im Laufe der nächsten zwei Wochen irgendwie klären. So gedrängt das auch klingt, aber im nächsten Monat habe ich schon die erste Hälfte der Masterarbeit als Kladde geschrieben… Wow, geht die Zeit schnell rum.

In unserer Wohnung hat sich auch so einiges getan. Nachdem die Brasilianer vor einiger Zeit schon abgehauen sind, hat sich Dean, unser etwas schmuddelige Brite, auch verabschiedet. Aber wir waren nur kurzzeitig zu Dritt. Eine Portuguiesin (Ana) und ein weiterer Spanier (Oktabio), die hier beide zur Sprachschule gehen, sind eingezogen. Ana ist ganz nett, spricht nur sehr sehr begrenzt englisch, ist 35 und hat einen Sauberkeitsfimmel. Sie achtet extrem auf ihre Ernährung, findet alles was ein bisschen Spaß macht und Action ist scheiße und wollte nach den ersten paar Tagen direkt umziehen, weil ihr die Gegend hier zu gefährlich ist. Inzwischen geht es aber und sie hat sich ein bisschen daran gewöhnt mit fünf Jungs zu hausen. Es reißen sich auch alle zusammen was die Sauberkeit angeht, was mir persönlich eher zusagt. Oktabio, 25, angehender Lehrer… ja. Kann ich noch wenig zu sagen. Hat eine Brille mit gefühlten 50 Dioptrin, was ja erstmal nicht weiter schlimm ist. Aber wenn er einen dadurch anSTARRT, also wirklich viel zu lange, dann wird mir das irgendwie unsympathisch. Sein Englisch ist ein wenig besser, er hat keine Angst zu reden, aber dann ist es häufig von sich selbst. Das ist aber nur der erste Eindruck, der sich definitiv noch verändern kann. In Dean’s Zimmer ist dann letzte Woche noch Marc gezogen. Spanier, was auch sonst. Inigo und Gerard (meine alten Spanier) kannten ihn vorher schon, was die Integration natürlich etwas erleichtert. Er ist super fröhlich, immer am Lachen, kocht gerne, redet viel (auch viel Blödsinn), hilfsbereit, also durch und durch ein lieber Kerl. Der hat sich jetzt für das Wochenende aber gerade nach Berlin begeben, um dort einen Freund zu besuchen. Hat sein Zugticket für den Rückweg auf Dienstag gebucht, obwohl er bereits Montag fliegt. Also ein bisschen verpeilt ist er auch, was ihn aber umso liebenswerter macht. Gerard ist auch für eine Woche jetzt in Spanien, Inigo fährt am Samstag nach London, also wird es hier totenstill sein das Wochenende. Vielleicht auch mal ganz gut – besonders nachdem gestern 10 laute Spanier in der Küche saßen und fünf Stunden lang Monopoly gespielt haben. Das hat Spaß gemacht, da zu zu gucken und hören.

Beim Volleyball hat sich auch herzlichst wenig getan. Unser Capitain ist nach wie vor ein besserwisserisches Arschloch. Inzwischen hat sich die Meinung auch eingebrannt, dass ich mir eine dumme Antwort auf sein scheiß Kommentar am letzten Montag nicht verkneifen konnte. Nachdem er doof gelandet war, am Boden lag und meine Hilfe und den Abklatsch gekonnt ignoriert hat, es dann für nötig hielt mir von oben herab ironisch meinen verkackten Ball zu belächeln, hätte ich ihm gerne eine geklatscht. Ich kann nicht garantieren, dass das in der restlichen Zeit hier nicht noch passieren kann. Das witzige ist, dass seine Freundin zum Captain der Mädchenmannschaft gewählt wurde. Und es gibt dort wohl ähnliche „Probleme“. Die sind offensichtlich für einander bestimmt…

Na ja, so weit so gut. Ich versuche jetzt ein Tagebuch mit rumzuführen, dass ich nicht vergesse, was ich so zu berichten habe. Aber Erfahrungswerte haben gezeigt, dass das wohl auch nichts bringen wird und ich mich alle zwei drei Wochen melde, um dann nur das Übliche mitzuteilen. Wie dem auch sei… Bis demnächst!

Kategorie: Nottingham

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