Basics einfacher Produktfotografie

Veröffentlicht am 4. Dezember 2015 von Paule

Intro

Jeder kennt es: wenn das Bild nur gut genug aussieht, dann kauft man. Schön in Szene gesetzt, kribbelt es selbst beim überflüssigsten Produkt in den Fingern. Doch wie schaffen es die Fotografen, selbst hässlichste Produkte ins richtige Licht zu rücken?

Handy Produktfoto-1

Ambiente vom Blitz trennen

Um stimmungsvolle Fotos zu schaffen, muss man verstehen, wie Blitz- und Ambiente-Licht die Belichtung beeinflussen. Dabei bleiben wir – wie immer – in unserem magischen Dreieck der Fotografie: Belichtungszeit, Blende und dem ISO-Wert. Unabhängig sind diese Werte im manuellen Modus zu steuern.

 

Ambiente

Das Ambiente-Licht wird, wie wenn wir Tag täglich fotografieren, über die Belichtungszeit (je länger, desto heller), die Blende (je größer die Blende/je kleiner der F-Wert, desto heller) und den ISO-Wert (Lichtsensibilität des Sensors, je höher, desto heller) gesteuert.

Sobald es um Produktfotografie geht, ist es zu Beginn am einfachsten, das Ambiente-Licht „auszuschalten“. Klingt schwieriger als es ist: Belichtungszeit hochsetzen, Blende verkleinern, ISO verkleinern. Macht man ein Foto und ist das Bild schwarz, dann hat man es geschafft. So einfach.

 

Blitzlicht

Beim Blitz-Licht ist es nicht ganz so einfach. Oder eigentlich meist einfacher. Denn hier bestimmen nur zwei Faktoren, wie hell der Blitz die Szene beleuchtet: die Blende und der ISO-Wert. Okay, die Blitzstärke auch noch, aber das befindet sich ja nicht direkt in der Kamera.

Die Belichtungszeit beeinträchtigt das Blitzlicht nicht, da es 1/8000 einer Sekunde dauert, bis der Blitz sein Licht verschossen hat (bei den meisten Blitzen; manchmal auch schneller). Die Zeit, in der der Spiegel hoch geklappt ist, trifft also das ganze Licht des Blitzes für kurze Zeit auf den Sensor (Bild 1).

Vorhang-Groß

Ist die Verschlusszeit zu schnell, sodass der Sensor während der 1/8000s komplett geöffnet wird (i.d.R. 1/250s bei neueren Kameras), dann ist der Sensor nicht mehr vollständig dem Licht ausgesetzt und einer der Vorhänge blockiert das Licht. Was man dann als schwarzen Streifen im Bild sieht, ist der Vorhang selber (Bild 2).

Vorhang-Klein

 

Faustregeln

Schaltet man jetzt einen Blitz ein und macht bei den gleichen Belichtungswerten ein Foto, dann sieht man, wie der Blitz die Szene beleuchtet.

  • Ist es zu dunkel, sollte man macht man den Blitz heller machen. So wird die Bildqualität/die kreativen Effekte am wenigsten beeinflusst
  • Ist er bereits auf maximaler Kraft, dann vergrößert man die Blende – sofern die Tiefenunschärfe dies zulässt.
  • Will man nicht so viel Tiefenunschärfe, oder erscheint das Bild immer noch zu dunkel, kann man den ISO-Wert erhöhen. Je höher dieser Wert wird, desto mehr Rauschen entsteht im Bild.
  • Wenn man keinen Blitz mit High Speed Sync hat, dann ist eine Verschlusszeit von 1/200s das sicherste, um schwarze Balken durch die Vorhänge zu vermeiden. Lässt die Kamera mehr zu, kann es auch 1/250s oder 1/320s sein.
  • Zusätzlich sollte man beachten, wo man sich befindet. Weiße Wände reflektieren ganz super das Blitz-Licht, was sich in dem Bild zeigen kann. Das kann hinderlich, aber auch hilfreich zugleich sein – aber dazu in einem anderen Post mehr.

 

Hin zu den Produkten

Die Position des Produkts, als auch das Licht, macht am Ende das Foto. Je nachdem, was auf dem Foto gezeigt werden soll, sollte es deutlich sichtbar und unter Umständen besonders hervorgehoben werden. Das lässt sich normalerweise gut durch einen zusätzlichen Lichtkegel, oder den gewählten Ort im Ausschnitt realisieren. Man sollte auf jeden Fall die wichtigen Elemente des Produkts erkennen können.

Die besagten Faktoren lassen sich alle in den unten gezeigten Handyfotos erkennen.

iPhone 3GS-1 iPhone 3GS-2

 

Angefangen bei der Reflektion des Lichts: vergleicht man beide Bilder, kann man sehen, wie der Winkel, als auch die Oberfläche (spiegelndes Display vs. weiße Rückseite), das Blitz-Licht von Blitz C, beeinflusst. Bei dem Foto, auf dem das Display zu sehen ist, reflektiert das Licht in dem Display und zeichnet eine weiße Linie auf der Box. Auch der Schatten hinter dem Handy zeigt, wo sich der Blitz befindet, und dass er nicht ausschließlich das Handy, sondern auch den Hintergrund beleuchtet.

Blitzanordnung

 

Was die verschiedenen Blitze schön herausstellen, ist der Rahmen des Telefons. Rund herum leuchtet das Aluminium und man kann sogar den Fußboden in der Reflektion erkennen. Am oberen rechten Rand, sieht man den Blitz, der sich direkt über dem Handy befindet. Nuancen, die das Bild aber (zumindest meiner Meinung nach) wirken lassen. Eine weitere Nuance sind die Fussel, Fettflecken und so weiter, aber das übersehen wir mal… hier geht es ums Licht!

In beiden Bildern kann man weiterhin die Apple Logos, als auch den Schriftzug „iPhone 3GS“ gut erkennen. Hat man einen weiteren Blitz, wäre ein schmaler Lichtkegel auf der Box sicherlich eine gute Sache.

 

Zu beachten

Neben der Umgebung, in der man sich befindet (grüne Wände führen z.B. unweigerlich zu einem Grünstich im Bild!), ist eine Wahl der Tiefenschärfe. In dem obigen Beispiel, ist es eine schlechte Wahl gewesen, da alleine fünf Centimeter außerhalb des Fokusbereichs zu starker Tiefenunschärfe führen – man kann es an dem Ladekabel erkennen. Da der Hintergrund ein Billiregal ist und direkt am Bildrand aufhört, musste ich ein Telefotoobjektiv nehmen, um trotzdem den gewünschten Bildausschnitt zu bekommen. Das ganze bei der dichtesten Fokusdistanz, lässt auch bei einer Blende von F/32 die geringste Verschiebung unscharf zeichnen.

Einhergehend ist der Fokus ganz entscheidend. Da bei solchen Aufnahmen schon kleine Fehler auffallen, sollte der Fokus schon stimmen. Nur wo drauf? Auf das Logo? Auf den Kratzer? Alles? Dann müssten man die Bilder fokusstacken und zusammenschneiden… was auch immer man wählt: das Motiv läuft einem nicht weg, da kann man bei einem verfehlten Fokuspunkt nur den Kopf schütteln.

Um schönes „weiches Licht“ zu bekommen, braucht man außerdem eine recht große Lichtquelle – wie eine Softbox zum Beispiel. Die sind nicht immer ganz preisgünstig, besonders, wenn man einen Fernauslöser und das dazugehörige Lichtstativ dazu rechnet. Bei weiteren Highlights (Licht im Hintergrund, Spotlights, etc.) sind weitere Blitze nötig, sodass man unweigerlich entfesselt (per Funk/Slave) blitzen muss und auf mehrere Blitze angewiesen ist.

Nuancen, wie die oben angesprochenen, sparen in der Nachbearbeitung ganz ganz viel Zeit. Natürlich kann man Highlights nachträglich hinzufügen oder Fussel entfernen, aber wenn man es mit einem nassen Lappen in 30 Sekunden erledigt haben kann, wieso dann noch Stunden in der Bearbeitung damit verbringen? Ziel sollte sein, das Bild so perfekt wie möglich direkt in der Kamera haben.

Als wichtigstes „praktisches Element“ würde ich dazu raten, step by step die Belichtung aufzubauen. Erst beim Ambiente, dann mit dem Hauptlicht, dann die Highlights und alles weitere. So behält man einen guten Überblick, wo man sich befindet und steuert das, worauf man Einfluss hat. Gerade das Ambiente ist manchmal so, dass man es etwas dramatischer haben möchte!

 

09. Dezember - Ich habe fertig-2 12. Mai - Ein ganz normaler Tag in Hanstedt #2

 

Schlusswort

Natürlich befasst das nicht alles, was makellose Produktfotos ausmacht. Wahrscheinlich kenne ich den Großteil nicht mal selber. Es soll ausschließlich ein paar praktische Tipps und Tricks geben, wie man sich ein „Produkt-Fotostudio“ aufbauen könnte und die wichtigsten Dinge benennen, die man beachten sollte.

Natürlich kann man teures Studio-Equipment für solch Sachen kaufen. Die erleichtern einem das Leben dabei, die Belichtung vorab zu prüfen – bezahlt dafür aber einen Haufen Geld. Für einen Studioblitz, kann man sich eine ganze Flotte von kleinen Aufsteckblitzen kaufen. Wenn man dann noch gute Deals bei Stativen, Softboxen und Co macht, dann kommt man relativ günstig weg. Hier mal die Liste von Equipment, die für die Bilder benutzt wurde.

  • Sony a7ii: Hier
  • Tamron 70-200mm F/2.8: Hier
  • Commlite Adapter für Canon zu Sony: Hier
  • Yongnuo 622C Steuereinheit: Hier
  • Yongnuo 622C Transceiver: Hier
  • Phottix Schirm Softbox: Hier
  • Manfrotto Lichtstativ: Hier
  • Bresser Auslegearm: Hier

 

Wenn etwas ganz ganz Wichtiges fehlt, oder ihr eine andere Meinung dazu habt, dann lasst es mich bitte wissen! Nur so bekommen wir Info darüber, ob es etwas gebracht hat und können immer etwas dazulernen. Danke J

Kategorie: Kamera und Co, Wissenswert
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