Wie viel Schlaf braucht der Mensch – Tag 1 vom polyphasischen Schlafexperiment

Veröffentlicht am 15. Juli 2014 von Paule

Der erste Tag vom polyphasischen Schlafexperiment ist nun vorbei – alle vier Stunden 20-30 Minuten schlafen, insgesamt zwei Stunden pro Tag. Es sind zwar erst circa 18 Stunden seit der letzten kompletten Nacht und somit nichts besonderes, aber irgendwo muss ja ein Anfang gemacht werden. Demnach wird dies als eine Art Start verfasst, um noch mal die wesentlichen Eckpunkte zusammen zu fassen.

Das Schlafexperiment ist die Reaktion auf einen Artikel, den ich letztens zu dem Thema gelesen habe. Ich fand es spontan so interessant, dass ich weitere Tagebücher und Berichte zu dem Thema gelesen habe. Da es sich irgendwie eingebürgert hat, dass wenn ich etwas tue, dann exzessiv, ist es schnell dazu gekommen, das auch ausprobieren zu wollen. Affinität zu Selbstexperimenten steigert natürlich nur noch zusätzlich die Lust dabei. Mein eh so unregelmäßiger Schlafrhythmus und die gute Erfahrung, lange ohne Schlaf auszukommen, stimmen mich positiv, dass dieses Experiment tatsächlich interessant werden könnte. Vielleicht ist es auch der ständige Drang, Dinge optimieren zu wollen, der mich dazu antreibt. Ich kann gar nicht genau sagen, was es ist, aber die Idee hat mich definitiv gepackt.

Es wird vielfach berichtet, dass die Essgewohnheit mit der Schlafgewohnheit einhergeht. Wie wir auch bei unseren Ponies aktiv beobachten können, sind Herbivoren eher dazu geneigt, weniger und verteilter zu schlafen als Carnivoren. Seit Beginn des Masterstudiums in Nottingham hat sich mein Fleischbedarf erheblich verringert, aber noch nicht komplett abgestellt. Keine Ahnung, ob sich das während des Experimentes noch komplett umstellen wird, aber ich werde definitiv vermehrt darauf achten, nicht übermäßig viel tierische Produkte zu verzehren. Das Gleiche gilt für Koffein. Da Koffein den REM-Schlaf stört, was die Grundlage der polyphasischen Schlafzyklen darstellt, steht Kaffe auch nicht weiter zur Debatte. So bin ich seit mehr als einer Woche Kaffe-Clean (mit einem kleinem Ausrutscher am Donnerstag) und werde Kaffetrink-Angebote ab sofort dankend ablehnen müssen.

Nicht ablehnen hingegen, werde ich Wetten über den Verlauf des Experiments. Alle, denen ich bisher davon erzählt habe, haben wie so häufig ungläubig den Kopf geschüttelt. Matze ist aber bisher der einzige, der eine Kiste Bier und einen Döner als Einsatz bietet, dass es nicht über sieben Tage hinaus gehen wird. Je mehr gegen den Erfolg wetten, desto mehr Motivation kann man daraus natürlich schöpfen. Also bitte, immer her mit den Einsätzen!

Der Artikel zum Schlafen kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Dank Masterarbeit und kaum weiteren Verpflichtungen, habe ich die nötige Flexibilität, alle vier Stunden eine Auszeit nehmen zu können. Wie und ob sich das durch die Bewerbungsphase und den Job fortführen lässt, wird sich zeigen – vielleicht komme ich ja auch gar nicht so weit und muss vorher kapitulieren. Aber selbst wenn es ein Erfolg ist, kann ich die zusätzlichen vier bis sechs Stunden des Tages/der Nacht perfekt für eben diese Aktivitäten nutzen. Polyschlafer berichten immer wieder von Zuwachs in Produktivität und Fokus, was sicherlich nicht ganz verkehrt wäre. Immerhin haben wir in vier Wochen die erste Möglichkeit, unsere Arbeiten Korrektur lesen zu lassen. Bis dahin soll ein recht detailliertes Konstrukt der Abschlussarbeit stehen, sodass in den verbleibenden vier Wochen (Abgabe am 15. September 2014) nur noch der nötige Feinschliff über bleibt.

Uberman Schlafrhythmus

Auch, wenn das Experiment nicht tadellos wissenschaftlichen Standards folgt, will ich trotzdem Konzentrationstests durchführen und aufzeichnen. Der d2-Test ist dafür sicher gut geeignet und etwas, das fehlende Konzetrationsleistung aufdecken könnte. Ein simpler Wörter-pro-Minute Zähler an der Tastatur könnte auch ein Indikator sein, wie ich mental auf der Höhe bin. Beide habe ich bereits einige Tage vorher angefangen aufzuzeichnen. Die maximale Leistung nach Lerneffekt und die durchschnittliche Fehlerrate ist jetzt ein guter Kennwert, wo meine Leistung mit monophasischem Schlaf anzusiedeln ist. Es hätte wahrscheinlich Sinn gemacht, das subjektive Gefühl zusätzlich mit zu vermerken, aber irgendwie war mir das zu viel des Guten. Stattdessen wird man bestimmt in Artikel und Video erkennen können, wie die momentane Verfassung so aussieht. Eine 1-50 Skala (hallo Nadine, hallo Matze!) macht da wahrscheinlich weniger Sinn als einfach 1-10, wobei 10 das ’normale‘ Gefühl nach einer ganzen Nacht darstellt. Momentan bewege ich mich so auf einer 9, aber rechne damit, dass sich das spätestens in 20 Stunden drastisch verringert hat.

Was ich jetzt auf jeden Fall schon sagen kann, ist dass es schwer wird, die Gewohnheit umzustellen. Wo sonst um 2 Uhr nachts das Licht ausgeht und ich mich auf das Tag-Verschlafen einstellen konnte, ist es jetzt ja nur eine kurze Auszeit vom Wachsein. Beschäftigungen müssen also her, wer da Vorschläge hat, kann diese gerne teilen!

Teilen ist auch das Stichwort: Die Artikel und Videos, die zu dem Thema entstehen werden, dienen dazu, vielleicht auch Anderen zu helfen. Wer jemanden kennt, der bereits Polyschläfer ist, oder der das vielleicht schon mal machen wollte, kann womöglich durch die Information einen guten Eindruck kriegen. Davon abgesehen, wird es die Zeit zum nächsten „Mittagsschlaf“ verkürzen.

Wem die 1000 Wörter zu viel sind, kann sich ein ähnliches Statement auch in dem ersten Video ansehen. Es ist das erste ‚richtige‘ Video, also bitte entschuldigt die schlechte Einstellung, den schlechten Schnitt und die schlechte Audioqualität. Auch da werde ich in den nächsten Tagen sicherlich einiges dazulernen müssen. Aber bitte bitte bitte gebt Feedback, denn sonst erreicht das lediglich meine eigenen Ansprüche. Gerne könnt ihr das natürlich auch teilen, oder euch in unserem Newsletter anmelden, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Lars und mich würde es definitiv freuen!

So viel für den heutigen Tag. Also, bis nachher!


 

Kategorie: Schlafen
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5 Kommentare zu “Wie viel Schlaf braucht der Mensch – Tag 1 vom polyphasischen Schlafexperiment”

  1. Monika sagt:

    Ich denke auch, dass dir der Einstieg in die Schlaf- und Wachphasen am schwierigsten fallen wird. Der Mensch ist nunmal ein Gewohnheitstier!
    Ich drück dir Daumen, dass du es mit Disziplin und deiner sportlichen Ausdauer schaffst, diesen spannenden Selbstversuch durchzuziehen!

    Ich bin sehr gespannt, denn gerade für stillende Mamis koennte das die Lösung für das ewige Schlafdefizit sein.

  2. LaMi sagt:

    Bist schon zum Zombie mutiert? Du solltest während des Experiments jeden Tag ein Portraitfoto machen am gleichen Fleck mit gleichen Einstellungen machen, damit man sich die Entwicklung der Augenringe angucken kann ;-). Wäre eigentlich auch ohne das Experiment ganz interessant so etwas. Dann vielleicht später ne Animation draus machen.

  3. Paule sagt:

    Haha, gute Idee Lars… aber vielleicht löst sich das durch das neue Videoformat ganz von alleine.
    Monika – ich glaube der Trick ist, nicht länger als die 20 Minuten zu schlafen. Auch, wenn es anfangs als Schlafentzug wirkt, ist es eigentlich eher eine Konditionierung des Körpers, schnell in den REM-Schlaf über zu gehen. Nach den 20-25 Minuten kommt der Tiefschlaf, sodass man sich eher scheiße fühlt. Aber aus der Zeit seid ihr ja auch bald erstmal raus 😉

  4. Sönke M sagt:

    Ich denke wer hier ne Wette gegen dich setzt hat selbst schuld…
    Ich finde das ganze sehr interessant aber glaube dass das mit ein bisschen beißen kein Problem sein sollte sich daran zu gewöhnen.
    Die größte Problematik sehe ich eher dabei seine Tätigkeiten da einzuordnen und du darfst in Zukunft keinen Job ohne große und gemütliche Couch annehmen 😉

  5. Dirk Wenke / NDR sagt:

    Hallo Paul,

    für die NDR-Sendung DAS! möchte ich einen Filmbeitrag zum Thema „Polyphasisches Schlafen“ machen. Dafür würde ich sehr gerne Ausschnitte aus Deinen Videotagebüchern von Deinem Schlafexperiment verwenden – auch wenn das jetzt ja schon drei Jahre her ist. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du mich diesbezüglich kontaktieren würdest. Per Mail an d.wenke@ndr.de
    Ich danke schon einmal.
    Viele Grüße aus Hamburg,
    Dirk Wenke

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